Rede zum Update Neue Mitte - Masterplan 4.0

Wir dokumenrieren die Rede unseres Stadtverordneten Yusuf Karacelik zum Masterplan 4.0 auf der Ratssitzung am 20. Mai 2019:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe nicht mitgezählt die wievielte Rede es ist, die ich hier vor Ihnen zum Thema „Neue Mitte“ und Umgebung halte.

Betrachten Sie meine Ausführungen daher als „Update“ zu meinen bisherigen Reden zu diesem Themenkomplex, als „Rede 4.0“ sozusagen.

Ein neuer Masterplan für die „Neue Mitte“ und die anschließenden Areale soll nun also her.

Dieser soll, wie es im Antrag formuliert wird, ein „Update“ des vom Büro Speer im Jahr 2000 vorgelegten Konzepts zur weiteren Entwicklung der „Neuen Mitte“ sein.

Ich muss zugeben, dass es einen Moment gedauert hat, bis ich begriffen hatte, was damit nun letztendlich eingestanden wird: das nämlich die Entwicklung der „Neuen Mitte“ und der angrenzenden Areale in den letzten Jahren komplett plan- und konzeptlos vonstatten ging.

Ein Umstand, auf den meine Fraktion nicht nur einmal hingewiesen hat.

Beschäftigt Mensch sich ein wenig näher mit dem Planungen des Büros Speer, so ist dies ein wenig wie eine Zeitreise.

So ist auf den beigefügten Plänen unter anderem noch das von hochtrabenden Erwartungen begleitete Projekt O.Vision zu finden.


Ein Projekt, das dann darin endete, dass man 2005 das ca. 60ha umfassende Areal des ehemaligen Elektrostahlwerks in einer Nacht-und-Nebel-Aktion für einen Spottpreis an einen Baggerhändler aus Irland verschleuderte.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren also die Planung des Büros Speer nur noch Makulatur und es hätte eines „Updates“ gebraucht.

Oder anders ausgedrückt: seit 2005 erfolgte die weitere Entwicklung der „Neuen Mitte“ und ihrer Umgebung ohne jedes stadtplanerische Konzept. Von 2005 bis heute – das sind 14 Jahre.

Auf dem Gelände, von einst O.Vison entstehen sollte, haben nun Konzerne ihre Filialen in kastenförmigen Funktionsbauten. Eine weitere Ansiedlung von Deathlon wurde erst vor wenigen Wochen in diesem Saal mit unseren Gegenstimmen beschlossen.

Wie nun ein Masterplan 4.0 diese fehlende Planung und falsche Entscheidungen korrigieren soll, bleibt völlig unklar.

Was der Sinn des Ganzen ist bleibt das Geheimnis der Autor*innen dieses Antrags.

Mit dem Bau des CentrO. und dem Verkauf des gegenüberliegenden Geländes des Elektrostahlwerks hat man die so genannte „Neue Mitte“ größtenteils privatisiert und sich die Möglichkeiten der Planung weitgehend selbst genommen.

Ein wenig Wohnbebauung mit Baumarkt, Discounter und Spielothek „um die Ecke“ und Gartencenter statt Garten vor der Haustür?

Ohne den politischen Willen sich endlich die katastrophalen Fehler, die in der Stadtentwicklungspolitik in den letzten Jahrzehnten gemacht worden sind, einzugestehen und einer daraus resultierenden klaren Zielvorgabe nach Möglichkeiten zu suchen, diese grundlegend zu korrigieren braucht es kein Update von Konzepten, die schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wenig zukunftsweisend waren.

Es braucht einen radikalen Neubeginn, der Oberhausen vorbereitet auf die notwendige soziale und ökologische Transformation unseres Wirtschaftssystems und keinen Masterplan 4.0, der verzweifelt versucht an den Symptomen einer verfehlten Stadtentwicklungspolitik rumzudoktern.

Die Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future, die in den letzten Wochen unter anderem mit dem Motto „System change, no climate change!“ auf die Straße gegangen sind, sind Ihnen fast allen diesbezüglich Lichtjahre an Einsicht voraus.