Vortrag: Als die Novemberrevolution unter Tage ging

Vortrag mit Bildern zum Thema „Als die Novemberrevolution unter Tage ging“ auf der offenen Mitgliederversammlung der LINKEN. Oberhausen am 07. Februar um 18.30 Uhr im Linken Zentrum, Elsässerstraße 19, 460645 Oberhausen

 Ende letzten Jahres wurde der Revolution vom 9. November 1918 gedacht. Entgegen mancher Annahme fand die Novemberrevolution keinen schnellen Abschluss. Besonders die Bergarbeiter, die im Ruhrgebiet mit mehreren Streiks zum Kriegsende beigetragen hatten, fühlten sich durch die Revolution zu neuen Forderungen und Aktionen ermuntert.

 Im Dezember 1918, Januar und Februar 1919 rollten mehrere, immer umfangreichere Streikwellen durch das Ruhrgebiet. Während im öffentlichen Leben die Arbeiter- und Soldatenräte eigene Machtbefugnisse gegenüber den staatlichen Verwaltungen und Stadträten beanspruchten, verlagerte sich die Novemberrevolution unter Tage. Die Bergleute forderten eine radikale Arbeitszeitverkürzung, massive Lohnerhöhungen und die Absetzung verhasster Vorgesetzter. Neuartige Streikmethoden, als Kumpel von Zeche zu Zeche zogen, die Schichten eigenständig auf 6 oder 7 Stunden reduzierten und Direktionsbüros stürmten, verhalfen ihren Forderungen zu starker Durchschlagskraft. Die Drohung mit dem Generalstreik und das Verlangen nach Sozialisierung der Bergwerke erhöhten den politischen Druck auf Zechenbesitzer und Regierung. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war der Streik im April 1919, an dem sich zwischen 300.000 und 400.000 Bergarbeiter beteiligten. Mit ihm wollten die Kumpel die 6-Stunden-Schicht und eine Lohnerhöhung von 25 % durchsetzen. Mit dem hartnäckigen und erbitterten Arbeitskampf, der einen Monat dauerte, setzten die Bergarbeiter vor 100 Jahren die 7-Stunden-Schicht einschließlich An- und Ausfahrt durch. Das war eine sozialpolitische Reform ersten Ranges, die heute in Vergessenheit geraten ist.

 Der etwa einstündige Vortrag mit Bild-Präsentation des Historikers Dr. Peter Berens, der bereits mehrere Bücher über die Arbeiterbewegung und Streikereignisse veröffentlicht hat, diskutiert den Zusammenhang von Novemberrevolution und Streikbewegung. Von der sozialen Lage der Bergarbeiter im zentralen Industriegebiet ausgehend, macht er nachvollziehbar, wie die Streiks zu einer Lawine anwuchsen und viele Widerstände überwanden. Der Schwerpunkt liegt auf dem westlichen Ruhrgebiet mit lokalem Bezug zu Oberhausen. Es wird vor allem auf Quellen aus dem Landesarchiv NRW zurückgegriffen.

 Alle Interessierten sind wie immer herzlich eingeladen.