Kandidatin OB Sterkrade/Dinslaken

Landtagskandidatin Cigdem Kaya

Cigdem Kaya im Gespräch mit dem Magazin Paroli:

 

„Wir brauchen endlich eine gerechte Besteuerung, sodass eine Umverteilung von oben nach unten gewährleistet wird.“

 

Cigdem Kaya ist 29 Jahre alt und hat ihren Bachelor in Politikwissenschaft sowie ihren Master in „Europa: Integration und Globalisierung“ absolviert. Seit 2015 arbeitet sie als Pressesprecherin für DIE LINKE.LISTE Oberhausen. Kurz nach der Fusion zwischen PDS und WASG ist sie 2008 in die Partei DIE LINKE eingetreten und sitzt seit 2014 im Rat der Stadt Dinslaken.

 

 

Warum hast du dich für Politik entschieden?

Ich war 16 als ich politisiert wurde. Zunächst war es die Familie und der Bekanntenkreis, die über Politik sprachen. Es bezog sich weitestgehend auf die Situation in der Türkei, denn Minderheiten werden dort nicht erst seit dem letzten Putschversuch im Juli 2016 unterdrückt. Also begann ich mich für internationale Politik zu interessieren und mich für die Rechte der Minderheiten, die von ihren Regierungen entrechtet werden, einzusetzen. Als ich dann Politikwissenschaft an der Uni Duisburg-Essen studierte, ging mir zusätzlich das Thema Nord-Süd Gefälle sehr nah, also das Gefälle zwischen reichen (Nord) und armen (Süd) Ländern. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander, sodass der Reichtum auf Kosten der Mehrheit der Menschen anwächst. Mittlerweile gehören den reichten 10% mehr als 74% des Privatvermögens in Deutschland. Das wollte und will ich nicht einfach so hinnehmen. Ja, und so kam ich dann zur Politik.

 

Wie siehst du die Entwicklung in Deutschland?

 Leider stehen wir vor einer desaströsen Entwicklung in unserer Gesellschaft - sei es in wirtschaftlicher oder sozialer Hinsicht. Renten, die zum Leben kaum genügen, Niedriglöhne, die keine Familie ernähren können, und das ausbeuterische Hartz IV-System, kurzum die neoliberale Politik der Agenda 2010, leistet der Armut Vorschub. Spitzenverdiener, Unternehmen und Vermögende dagegen werden von der Politik massiv entlastet. Die Tatsachen werden verschleiert, so heißt es, wir hatten noch nie so wenig Arbeitslose. Es mag sein, dass so viele Menschen wie noch nie zuvor gearbeitet haben, aber es gab noch nie so viele Menschen, die von ihrer Arbeit, die sie haben, nicht leben können. Die prekären Arbeitsbedingungen, unsichere Arbeitsplätze sind nichts anderes als Stressfaktor Nummer eins und leisten Zukunftsängste unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die nicht wissen, wie sie eine Familie aufbauen sollen. Diejenigen, die eine Familie haben, stehen vor der großen Herausforderung, diese zu ernähren. Das ist die traurige Realität und das was SPD und Grüne mit ihrer Hartz-IV Politik durchgesetzt haben.

 

Was genau möchtest du ändern?

Nun, wer international und global aufräumen und für mehr Gerechtigkeit sorgen möchte, wie ich, muss vor der Haustür beginnen. Daher bin ich kommunalpolitisch aktiv. Die kommunale Selbstverwaltung, von der die Menschen profitieren sollten, wird immer weiter ausgehöhlt, Kommunen werden kaputt gespart, sodass die kommunale Daseinsvorsorge dem Sparzwang zum Opfer fällt. Die Folgen sind: marode Schulen und öffentliche Einrichtungen, Schließung und Zusammenlegung von Museen, Bibliotheken, Schwimmbädern, und Hilfseinrichtungen, wie Frauenberatungsstellen, Aids-Beratungsstellen usw.. Aber auch die knappen bezahlbaren Wohnungen sind ein Produkt jahrelanger Hinhaltepolitik. Auf der anderen Seite aber werden Ottonormalverbraucher zur Kasse gebeten, indem Steuern und Gebühren immer weiter ansteigen, sodass ein Besuch im Freibad oder eine gute bezahlbare Wohnung immer mehr zu Luxusgütern werden. Das darf eben nicht sein.

 

Und wie soll das umgesetzt werden?

Die finanzielle Notlage der Kommunen kannnicht auf kommunaler Ebene gelöst werden. Es muss sich endlich auf Bundesebene etwas tun, wir brauchen eine gerechte Steuerpolitik, indem beispielsweise der Kommunalanteil an der Gemeinschaftssteuer wächst, die Gewerbesteuer zu einer Gemeindefinanzsteuer umstrukturiert wird, eine Vermögens- und Transaktionssteuer (Börsensteuer) eingeführt werden, die Erbschaftssteuer erhöht, eine Vermögens und Millionärssteuer eingeführt werden.

Nur so kann gewährleistet werden, dass zum Beispiel mehr in Bildung investiert wird. Ein elementares Thema auf der Landesebene, das uns im Landtag primär beschäftigen wird ist der Lehrkräftemängel; es fehlen Sozialpädagogen sowie gut ausgestattete Klassenräume, die für ein inklusives Schulsystem vonnöten wären und ein langes gemeinsames Lernen ermöglichen würden. Alles Ziele, für die ich mich als Landtagsdirektkandidatin stark  mache. Denn Investition in die Bildung ist Investition in die Zukunft. 

 

Warum sollen die Dinslakener und Sterkrader dich wählen?

Ich sehe soziale Gerechtigkeit mit gleichen Aufstiegschancen als einen zentralen Bestandteil unserer Gesellschaftsordnung. Ich setze mich leidenschaftlich für die Armutsbekämpfung ein, denn sie ist mehr als nur Fürsorge. Sie erfolgt letztlich im Interesse Aller. Inzwischen droht Armut in vielen Familien von einer Generation auf die nächste „vererbt" zu werden. Nur eine sozialgerechte Gesellschaft ist eine stabile Gesellschaft, an der die Bürger/innen teilhaben und für die sie sich demokratisch einsetzen. Eine konsequente Armutspolitik geht mit der Schaffung eines gerechten Steuersystems einher. Wenn heute eine Krankenschwester im Durchschnitt nach ihrem Bruttoeinkommen bemessen mehr Steuern zahlt als Superreiche, ist das mehr als ungerecht. Es ist notwendig durch gerechte Besteuerung und der Umverteilung von oben nach unten für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Hier werde ich meine Akzente setzen und Druck auf die Parteien ausüben, die am längeren Hebel sitzen. Denn wir sind der einzige Garant für soziale Gerechtigkeit in diesem Land.