Leserbrief unseres Ratsmitglieds Lühr Koch: Die ‚moralische‘ Bigotterie des Herrn Hausmann

Der CDU-Chef Hausmann fragt mich als Mitglied der LINKEN.LISTE nach meinem staatsbürgerlichen Verständnis in Verbindung mit der Akzeptanz von Krieg. Das nämlich ist die Konsequenz, wenn für die Bundeswehr geworben wird. Denn die "jungen Menschen" werden zu Soldaten und damit zum Töten im Krieg ausgebildet.

Mein staatsbürgerliches Verständnis ist da eher konservativ. Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen! - diese Maxime bestimmt mein Leben seit mehr als 65 Jahren. Übrigens auch während meiner Offiziersausbildung, führte aber einige Jahre später zur Kriegsdienstverweigerung.

Werbesprüche der Bundeswehr wie "Nach der Schule liegt Dir die Welt zu Füßen. Mach sie sicherer.“ hören sich schlichtweg nach Kriegsvorbereitung an. "Deutschland die Welt zu Füßen zu legen" gehörte nämlich zu den deutschen Kriegszielen im 1. und 2. Weltkrieg!

Es folgt der ewige Hinweis auf die Hilfeleistungen der Bundeswehr. Müssen Hilfeleistende wirklich Uniform tragen? Keineswegs - tagtäglich leisten Freiwillige in Zivil erfolgreich und nachhaltig Hilfe bei den größten Katastrophen. Einsätze gegen Piraten? Wären nicht notwendig, hätten die Konzerne und die Politik der großen Industriestaaten den Menschen der Küstenstriche nicht vorsätzlich die Nahrung weggefischt und sie damit in tiefste hoffnungslose Armut gestürzt.

Zu guter Letzt ist es das Wort "pseudomoralisch", mit dem Hausmann in der typischen Art unserer Altvorderen suggeriert, Kriegsgegner hätten keine Moral. Die Antwort darauf ist bekannt: Das Töten eines Menschen wird auch in der BRD bestraft, weil es eben der Moral widerspricht. Dagegen dürfen bestimmte Gruppen von Menschen andere wildfremde Menschen vorsätzlich aus dem Hinterhalt umbringen. Diese strafrechtlich sehr klar als Mord definierte Tat wird gerechtfertigt mit dem Befehl einer vorgesetzten Stelle, die scheinbar über Leben und Tod entscheiden darf. Genau diese Art der Doppelmoral ist für mich unmoralisch und Bigotterie.

Genau deswegen ist diese Straßenbahn mit Bundeswehrwerbung auch für mich unerträglich, Herr Hausmann!